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Hautgesund dank anti-entzündlicher Ernährungsweise
NÜRNBERG – Kann eine gesunde Ernährung bei Hauterkrankungen helfen? Patienten mit entzündlichen Hauterkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis, Rosazea oder Akne erhoffen sich eine unterstützende Wirkung auf die Therapie und suchen Rat.
Bei den Mitgliedern des regionalen Haut- und Psoriasisnetzwerks Nordbayern stand die Frage nach einer anti-entzündlich wirkenden Ernährung im Mittelpunkt ihrer November-Fortbildung. Philip Süß, Ernährungswissenschaftler am Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport am Universitätsklinikum Erlangen gab den Dermatologinnen und Dermatologen aus der Region einen Überblick und eine Vielzahl von Hinweisen zur Umsetzung im Alltag mit auf den Weg.
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Eine umfassende wissenschaftlich fundierte Darstellung der Ernährungstherapie speziell bei entzündlichen Hauterkrankungen liegt bislang noch nicht vor. Das Kapitel Hauterkrankungen fehlt in der Bibel der Ernährungstherapeuten – dem „Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis“ (LEKuP), der den wissenschaftlichen Konsens der führenden ernährungswissenschaftlichen Fachgesellschaften zusammenfasst. Doch es gibt einige neuere Studien zu anderen Krankheitsbildern – für chronisch entzündliche Darmerkrankungen, für rheumatoide Arthritis sowie Leitlinienempfehlungen zur Ernährung bei Lipödem – mit übertragbaren Ergebnissen, wie Süß darstellte.
Die genannten Erkrankungen vereint die ernährungstherapeutische Behandlung und Vermeidung entzündlicher Prozesse. Das gilt beispielsweise auch für die LEKuP-Empfehlungen bei entzündlichen rheumatoiden Erkrankungen: „Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure können über 1-2 Mahlzeiten fettreichen Seefisches pro Woche (z.B. 1-mal pro Woche Hering/Lachs/ Makrele) oder alternativ in Form von Omega-3-Supplementen zugeführt werden. Ergänzend dazu sollten bewusst pflanzliche Nahrungsfette in Form von Olivenöl, Rapsöl und Leinölbevorzugt zu verwenden.“
Fett ist nicht gleich Fett
Zugleich warnte Süß angesichts der Komplexität der Zusammenhänge zwischen Stoffwechselvorgängen, Gesundheit und Ernährung vor vorschnellen Vereinfachungen: „Fett ist nicht gleich Fett“, so etwa ein Hinweis. Entscheidend bei Ölen und Fetten sei nicht allein die Menge der enthaltenen anti-oxidativen Omega-3-Fettsäuren, sondern auch der Anteil der „Gegenspieler“, der Omega-6-Fettsäuren. Ein besonders günstiges Mischungsverhältnis weisen demnach Lein-, Raps- und Walnussöl auf, die beliebten Sonnenblumen, Kürbiskern-, Distel-, Sesam- und Sojaöle hingegen sind hingegen Omega-6-reich und können bei zu hoher Einnahme Entzündungen begünstigen.
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Und auch die „Küchentechnik“ bei der Zubereitung sei zu beachten, weil, sie noch einmal die Zusammensetzung der Nahrung verändert und folglich entzündungshemmende sekundäre Pflanzenstoffe beeinflusst Dabei sollte eine gesunde Mischung aus Rohkost und gegartem Gemüse und Obst im Alltag integriert werden. Je nach Zubereitung kann sich der Gehalt an hitze- und wasserempfindlichen Nährstoffen verändern. Viel wichtiger ist jedoch: „Bevorzugen Sie möglichst naturbelassene Lebensmittel und reduzieren Sie hochprozessierte Lebensmittel,“ so der Ernährungsexperte. „Ein gutes Maß zur Beurteilung des Verarbeitungsgrades ist dabei der NOVA-Score.“ Mehr zu diesem Klassifizierungsschema >>hier
Goldstandard: mediterrane Ernährung
Gemeinsamer Bezugsrahmen der meisten aktuellen Empfehlungen ist die mediterrane Ernährung. Nahezu deckungsgleich mit diesem Konzept ist auch das Ergebnis einer Meta-Studie zur Ernährungstherapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die niederländische Ökotrophologen in der „Groningen anti-inflamatory diet“ zusammengefasst haben. Für Alkohol, industriell hergestellte Fertiggerichte, hochgradig verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren, zuckerhaltige Erfrischungsgetränke und viele weitere Convenience-Produkte steht demnach die Ampel auf Rot, kritisch bewertet wird darüber hinaus der Konsum von rotem Fleisch.
Bestätigt sehen durfte sich der Zuhörerkreis in der ärztlichen Einschätzung, dass gesundheitsfördernde Ernährung eng zusammenhängt mit dem Lebensstil und Lebensgewohnheiten. So spielen nach Süß‘ Worten allgemein ein erholsamer Schlaf, ausreichend Erholung, Bewegung und Sport – bestenfalls an der frischen Luft - und eine regional und saisonal angepasste Auswahl der Nahrungsmittel eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsvermeidung.
Bei bestehendem Übergewicht sollte eine Reduktion, Normalisierung und Stabilisierung des Körpergewichtes stattfinden. Die Bewertung des Körpergewichtes sollte dabei nicht nur auf Basis des Body Mass Index (BMI) erfolgen, sondern auch eine Erfassung des Hüft- und Taillenumfangs stattfinden. Denn insbesondere dort versteckt sich das viszerale Fettgewebe, welches laut Studienlage nachweislich einen negativen Effekt auf den Insulin- und Fettstoffwechsel sowie das Entzündungsgeschehen hat.
Der gesunde Teller
Doch nicht allein die Essgewohnheiten auch die Lebensumstände setzen einer gesünderen Ernährungsweise möglicherweise Grenzen, wie Süß mit Verweis auf die Arbeitsbedingungen von Fernfahrern veranschaulichte. Zur Umsetzung in den Alltag gab der Erlanger Ernährungsexperte eine Reihe anschaulicher Beispiele: Von der Ernährungspyramide, über den Wochenplan bis hin zum „gesunden Teller“, gefüllt zu je einem Viertel mit „gesunden Proteinen“, Vollkornprodukten und zur Hälfte aus Gemüse und Obst. Unterstützen bei der Umstellung von Essgewohnheiten kann das Führen eines Ernährungstagebuches und die Betreuung durch eine Ernährungsfachkraft.
Ein Anliegen war Süß dabei besonders wichtig: „Lebensmittel dienen in erster Linie der Versorgung von Nährstoffen“, wir sollten uns bemühen den Körper mit essentiellen Nahrungsbestandteilen zu versorgen und nicht das Lebensmittel anhand der Kilokalorien oder eines einzelnen Nährstoffes in Schubladen stecken. Dieses schwarz-weiß-Denken wird den Eigenschaften eines Lebensmittels nicht gerecht.
Das war knapp
Der ursprünglich vorgesehene Vortrag von Dr. Steffen Gass zur aktuellen gesundheitspolitischen Lage musste ausfallen. Der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen sagte kurzfristig wegen eines akuten Infekts ab. Süß sprang spontan ein, obwohl ihm nur drei Stunden Vorbereitungszeit blieben. Die gute kollegiale Vernetzung des PsoNet-Vorsitzenden, Prof. Michael Sticherling machte es möglich. Dr. Gass soll nun voraussichtlich im kommenden Oktober seinen Beitrag – in einer dann anderen gesundheitspolitischen Lage – nachholen.








