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Aktuelles

Zuerst zum Hausarzt: "Das Ding kommt – mit aller Gewalt"

NÜRNBERG  – Der Paradigmenwechsel in der medizinischen Versorgung – zuerst zum Hausarzt und dann erst mit Überweisung zum Facharzt – stand im Brennpunkt eines gesundheitspolitischen Abends des Regionalen Psoriasis Netzwerks Nordbayern.

 

Dr. Markus Schwürzer-Voit hofft auf Verzögerungen bis zur Einführung einer Primärarzt-Steuerung. Verhindern lasse sich die angekündigte Neuregelung zur Steuerung der Patientenströme im Gesundheitswesen nicht, fürchtet der Regensburger Obmann des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen. Noch im Dezember vergangenen Jahres habe sich der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums Dr. Georg Kippels bei einer Veranstaltung in Regensburg  fest entschlossen gezeigt, die Koalitionsvereinbarung mit der SPD umzusetzen. „Das Ding kommt – mit aller Gewalt,“ so Schwürzer-Voit.

 

Bei der Frühjahrsfortbildung des Regionalen Psoriasis Netzwerks Nordbayern nannte der niedergelassene Hautarzt eine breite Palette an Gründen, die dem Grundsatz „Zuerst zum Hausarzt“ aus der eigenen Erfahrung heraus entgegenstehen. Sein schlagendes Argument: Es ist

Leitlinien-Update  auf der Agenda

 

Prof. Michael Sticherling erörterte im Rahmen der Fortbildung mit den hautärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen Neuerungen in den evidenzbasierten Leitlinien zur Therapie der Psoriasis, bei atopischem Ekzem bzw. Neurodermitis, chronischem Juckreiz (Pruritus), Hidradenitis suppurative/Akne inversa und unterschiedlichen Formen des Pemphigoid. 

 

Die >>Vortragsfolien stehen für Mitglieder im passwortgeschützten  Bereich der Website zur Ansicht zur Verfügung. 

nicht erkennbar, wie das Ende des freien Zugangs zur fachärztlichen Versorgung die Wartezeit auf einen Facharztermin verkürzen könnte. 
 
Lange Wartezeiten

In anderen Ländern mit etabliertem Primärarztsystem wie Spanien, Großbritannien oder Kanada seien die Wartezeiten nicht kürzer, im Gegenteil wie Schwürzer-Voit schilderte. Die eigene Schwiegermutter – eine Engländerin – habe zeitlebens noch keinen anderen Dermatologen als den Schwiegersohn kennengelernt; und auf eine kardiologische Untersuchung habe sie rund 18 Monate warten müssen.

 

In Deutschland sollen Patienten nach dem vorläufigen Stand der Reformpläne der Bundesregierung nur noch Augenärzte, Zahnärzte, Gynäkologen und Kinderärzte ohne Überweisung auf direktem Wege aufsuchen können. Weitergehende Überlegungen sehen für chronisch Kranke und Dauermedikationen Ausnahmeregelungen vor. 

 

Einer hausarztgesteuerten Versorgung stehen jedoch erhebliche Versorgungslücken in den östlichen Bundesländern und ein noch zunehmender Mangel an Allgemeinmedizinerinnen und – Medizinern entgegen. Selbst im mit Medizinern noch gut bestückten Bayern könnte die geplante Änderung die Probleme nach Schwürzers-Voit Einschätzung eher noch verschärfen, als sie bessern. Dort drohen z. B. bis zum Jahr 2030 bei den Dermatogen rund 70 Prozent der momentan erbrachten Leistung auszufallen, wenn 35 Prozent dieser Hautärzte im ruhestandsfähigen Alter tatsächlich ausscheiden. Bei den Hausärzten sei die Situation genauso prekär.

 

Der Hausarzt wird zum "Schein-Werfer"

„Der Hausarzt wird zum Quartalswechsel zum Schein-Werfer,“ so der Regensburger Dermatologe. Zu den bislang durchschnittlich rund 1200 hausärztlichen Patienten kämen mit der geplanten Gesetzesänderung 2000 weitere hinzu. Mehr als das Ausstellen einer Überweisung ist unter diesen Umständen nicht zu leisten, so die Einschätzung des Facharztes. Mit anderen Worten: Eine Entlastung der fachärztlichen Versorgung und somit mehr freie und rasch verfügbare Termine sind unter diesen Umständen nicht zu erwarten.

 

Hinzu kommen eine Vielzahl von noch ungelösten Problemen der praktischen Umsetzung: „Was machen Patienten, die keinen Hausarzt haben, junge Leute, Studierende und andere?“ so Schwürzer-Voits Frage. Wie steht es mit den bundesweit mehreren Millionen Vorsorgeuntersuchungen bundesweit; sollen auch diese alle lediglich noch nach Hausarzt-Überweisung erbracht werden können? Oder:  Muß der Arzt Patienten, die neben einer Vorsorgeuntersuchung auch noch mit einem anderen Hautproblem kommen, zunächst zum Hausarzt schicken, ehe er ihn – dann mit neuem Termin –  weiter behandelt?

 

Und: Wie steht es mit den budgetierten Leistungen der Fachärzte. Bleibt es dabei in der neuen Systematik, besteht bei Überweisung durch den Allgemeinmediziner eine Behandlungsverpflichtung auch über die fachärztliche Budgetgrenze hinaus. Hinzu kommt aus Sicht von Schwürzer-Voit: „Die Vergütungsstrukturen müssen geändert werden.“  In der heutigen Honorarverteilung stehen in Bayern für die hausärztliche Leistung pauschal 30 Euro zur Verfügung, Dermatologen erhalten für zur Behandlung quartalsweise 19 Euro je GKV-Patient.

 

Die Bundesregierung setzt zur besseren und rascheren Versorgung auf Digitalisierung. Die Vorstellungen der Spitzenverbände von Ärzten und Krankenkassen zur Umsetzung in die Praxis  gehen allerdings weit auseinander, wie Schwürzer-Voit weiter ausführte. Kernpunkt ist ein digitales Ersteinschätzungsverfahren hinsichtlich Dringlichkeit und Planbarkeit der folgenden Behandlung.

 

Regionales Psoriasis Netzwerk Nordbayern Mob.: +49 162 3460 900  

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