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ERLANGEN – Stabwechsel an der Universitätshautklinik in Erlangen. Das 47. Erlanger Minisymposium stand ganz im Zeichen von Dank und Anerkennung für den stellvertretenden Klinikdirektor, Oberarzt und Leiter des Erlanger Psoriasiszentrums stand.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung Anspannung beim Geehrten, Entspannung bei den Gästen, im Hintergrund auch eine Reihe von Mitgliedern des regionalen PsoNetzes.
Prof. Michael Sticherling übergibt sein Amt im Frühjahr 2026. Seine designierte Nachfolgerin, Prof. Wiebke Sondermann, Essen, saß im Zuhörerkreis. Zehn Kolleginnen und Kollegen – Weggefährten der universitären Laufbahn auf Sticherlings Stationen von Kiel, über Leipzig bis nach Erlangen – würdigten Ergebnisse seiner nahezu vierzigjährigen Tätigkeit als Forscher, Hochschullehrer und Kliniker.
In der Bilanz schlagen über 300 wissenschaftliche Publikationen zu Buche, darüber hinaus mindestens 80 gemeinsame Projekte mit dem Zentrum für Versorgungsforschung in der Dermatologie und nach einer KI Recherche von Prof. Andreas Wollenberg, Augsburg, allein 28 zu Neurodermitis/atopischem Ekzem. Das Spektrum der von Sticherling im Laufe der Jahre wissenschaftlich bearbeiteten Erkrankungen reicht von der Psoriasis, über blasenbildende Autoimmunerkrankungen bis hin zu Kollagenosen und kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata), wie die Vortragenden deutlich machten.
Forscher, Hochschullehrer, Arzt
Sticherling habe die Breite seines Fachgebiets persönlich gelebt, zollte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums, Prof. Heinrich Iro, öffentlich Anerkennung. Der Vorsitzende des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, Dr. Ralph von Kiedrowski hob Sticherlings Initiative hervor, 2009 das Regionale Psoriasisnetzwerk Nordbayern zu gründen. Er sei seither als Vorsitzender der Motor des Netzwerks und habe sich stets für ein Versorgungssektoren übergreifendes Miteinander mit den in der ambulanten Versorgung tätigen Niedergelassenen eingesetzt.
Die Beiträge Sticherlings zur Arzneimittelsicherheit und fachgerechten Versorgung im Rahmen von Patienten-Registern und Leitlinien stellte Prof. Matthias Augustin, Leiter des Hamburger Centrums für Versorgungsforschung in der Dermatologie, heraus. Er habe „unschätzbare Verdienste für die deutsche Dermatologie in Versorgung und Forschung,“ so Augustin. Und Prof. Joachim Barth betonte den Einsatz Sticherlings für die Patientenselbsthilfe. Gleichzeitig dankte der ehemalige Leiter der Universitätshautklinik in Dresden für die Bereitschaft, nun nach der Pensionierung den Vorsitz im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Psoriasis Bundes zu übernehmen.
Der Mensch hinter der beruflichen Rolle
Das Minisymposium beließ es nicht bei der Würdigung der öffentlichen Rolle, sondern gab zugleich Raum und Zeit in einer geradezu familiären Atmosphäre den Menschen dahinter zu entdecken.
Haut-Klinikleiterin Prof. Carola Berking hatte die Ehefrau und die beiden erwachsenen Kinder eingeladen. Bilder aus der frühen Kindheit – Klein-Michael mit Teddybär und beim Mandelölbad in der Wanne – standen am Beginn des Vortragszyklus. Und Prof. Ulrich Mrowietz, Kiel zeigte unter großem Hallo des Publikums bislang unveröffentlichte Bilder der DDG, was in dieser Falle für „Dermatolgy Dancing Group“ und nicht für „Deutsche Dermatologische Gesellschaft“ steht. Zu sehen ist die damals noch junge Kieler Dermatologen-Community, heute allesamt renommierte Hautärzte, Hochschullehrer und Wissenschaftler, als Balletgruppe im Tutu und hüfthohen Kompressionsstrümpfen.
So erfuhr das Publikum auch, dass „Misti“ – so sein Spitzname unter den Mitarbeitenden - den schönen Künsten zugetan ist und aus seinem Büro nach Feierabend gelegentlich klassische Musik zu hören ist.
Der Dank der Fachkolleginnen und -kollegen galt ausdrücklich den „social skills“ im alltäglichen Umgang miteinander: er galt seiner den Mitmenschen zugewandten unprätentiösen Art, seinem ein wenig verschmitzt zu Tage tretender Humor, seiner Gelassenheit, das scheinbar Unvermeidliche hinzunehmen und Störendes allenfalls mit sanfter Ironie zu kommentieren.
Diese Lebenshaltung wurde zu Beginn der Pandemie auf eine harte Probe gestellt, wie Prof. Enno Schmidt, Lübeck, und auch Uniklinik-Direktor Iro, erinnerten. Als einer der ersten von Covid-Sars2-infizierten Mediziner mußte Sticherling im Februar 2020 über nahezu 14 Tage eine „Zwangskasernierung“ in der eigenen Klinik über sich ergehen lassen und wurde damit bundesweit zu einer Person von öffentlichem Interesse. Die Frage nach dem Infektionsweg fast aller Teilnehmer einer Tagung war Gegenstand einer bald darauf veröffentlichten wissenschaftlichen Publikation, an der Sticherling als Ko-Autor mitwirkte.
Einmal Dermatologe, immer Dermatologe
Was ihm nach der Pensionierung am meisten fehlen werde und worauf er sich freue, lautet eine Frage in der neuesten Ausgabe der Derma-News der Erlanger Hautklinik. Sticherlings Antwort: „Ich habe immer sehr gerne und viel gearbeitet, der Umgang mit den Patientinnen und Patienten, aber auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen wird mir im Ruhestand fehlen.“
Und weiter: „Im privaten Umfeld wird es aber sicherlich sehr gute Alternativen geben. Ich freue mich auf entspanntere Zeiten und Tagesabläufe, mehr Zeit, mit Familie und Freunden mit Tätigkeiten und Hobbys, die in den letzten Jahrzehnten immer zu kurz gekommen sind. Dazu gehören auch Museums- und Ausstellungs- sowie Konzert-, Theater- und Opernbesuche.“
Der Dermatologie werde er nach der Pensionierung erhalten bleiben, versprach Sticherling zum Anschluß des Minisymposium, für eine Übergangszeit auch noch an seinem alten Arbeitsplatz, um seine Nachfolgerin in der Wechselphase zu unterstützen.











